Wohnungsbau in Oberbayern: Rund 25 Prozent mehr Genehmigungen – kommt die Trendwende?

Beim Wohnungsbau in Oberbayern gibt es erstmals wieder deutlich positivere Signale. Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl der genehmigten Wohnungen kräftig gestiegen. Von einer schnellen Entspannung auf dem Wohnungsmarkt kann dennoch keine Rede sein. Denn gleichzeitig wirken hohe Baukosten nach – und bei den tatsächlich fertiggestellten Wohnungen musste Oberbayern zuletzt einen starken Rückgang hinnehmen.

Die Entwicklung bei den Baugenehmigungen fällt auf: Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik verzeichnete Oberbayern von Januar bis Juni 2026 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum einen Zuwachs von rund 25 Prozent. Damit gehört der Regierungsbezirk zu den Regionen Bayerns mit einer besonders deutlichen Belebung bei den Wohnungsbaugenehmigungen.

Bayernweit wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 29.155 Wohnungen genehmigt. Das waren 12,3 Prozent mehr als von Januar bis Juni 2025. Besonders stark entwickelte sich der Bau von Zweifamilienhäusern mit einem Plus von 36,3 Prozent. Bei Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern stiegen die Genehmigungen um 18,1 Prozent, bei Einfamilienhäusern um 10,9 Prozent.

Oberbayern holt bei den Genehmigungen auf

Gerade für Oberbayern ist die Entwicklung bemerkenswert. Noch im Gesamtjahr 2025 war die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen gegenüber 2024 leicht zurückgegangen. Im laufenden Jahr hat sich das Bild damit deutlich verändert.

Ob daraus bereits eine nachhaltige Trendwende beim Neubau entsteht, lässt sich allerdings noch nicht ablesen. Zwischen einer Baugenehmigung und einer bezugsfertigen Wohnung können Monate oder Jahre liegen. Zudem bedeutet eine erteilte Genehmigung nicht automatisch, dass ein Projekt tatsächlich zeitnah begonnen wird.

Für Bauherren und Projektentwickler bleiben insbesondere Finanzierung, Baukosten und die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Projekts entscheidend.

Fertigstellungen in Oberbayern zuletzt stark gesunken

Wie groß die zeitliche Lücke zwischen Planung und tatsächlichem Wohnungsangebot sein kann, zeigen die jüngsten Zahlen zu den Baufertigstellungen.

Im Jahr 2025 wurden bayernweit 47.359 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 13,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Oberbayern aus: Hier sank die Zahl der fertiggestellten Wohnungen gegenüber 2024 um rund 25 Prozent. Auch Oberfranken verzeichnete einen Rückgang in ähnlicher Größenordnung.

Der Rückgang betrifft nicht nur einzelne Gebäudearten. Bayernweit lagen die Fertigstellungen sowohl bei Ein- und Zweifamilienhäusern als auch bei Mehrfamilienhäusern deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Damit treffen derzeit zwei Entwicklungen aufeinander: Während bei den neuen Genehmigungen wieder Bewegung in den Markt kommt, ist bei den bereits fertiggestellten Wohnungen die vorherige Schwächephase noch deutlich sichtbar.

Neubauen bleibt teuer

Hinzu kommen weiterhin hohe Baukosten. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden in Bayern lag im Mai 2026 um 3,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber Februar 2026 stiegen die Preise innerhalb von nur drei Monaten um weitere 2,0 Prozent.

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim längeren Vergleich: Seit dem Basisjahr 2021 sind die Neubaupreise für Wohngebäude in Bayern nach Angaben des Landesamts für Statistik um 36,3 Prozent gestiegen. Bei Ausbauarbeiten beträgt der Anstieg sogar 41,4 Prozent.

Für Neubauprojekte in den ohnehin hochpreisigen Regionen Oberbayerns bleibt dies ein wesentlicher Faktor. Grundstück, Baukosten und Finanzierung müssen zusammenpassen, damit aus einer Planung am Ende tatsächlich neuer Wohnraum entsteht.

Landkreise entwickeln sich bei Genehmigungen stärker

Interessant ist auch der Unterschied zwischen Stadt und Land. Bayernweit stieg die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 in den Landkreisen um 19,0 Prozent. In den kreisfreien Städten ging sie dagegen um 2,9 Prozent zurück.

Für Oberbayern ist diese Entwicklung besonders relevant. Neben München gehören zahlreiche stark nachgefragte Landkreise und Wohnstandorte zum Regierungsbezirk – etwa Starnberg, München, Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising, Erding, Ebersberg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach oder Rosenheim.

Ob sich die stärkeren Genehmigungszahlen künftig auch in einem größeren tatsächlichen Wohnungsangebot niederschlagen, wird deshalb von Region zu Region unterschiedlich ausfallen.

Was bedeutet die Entwicklung für den Immobilienmarkt?

Für Kaufinteressenten bedeuten mehr Baugenehmigungen zunächst noch kein kurzfristig größeres Angebot. Die aktuellen Zahlen sind eher ein Frühindikator dafür, dass wieder mehr Projekte planerisch auf den Weg gebracht werden.

Für Grundstückseigentümer, Bauträger und Kapitalanleger könnte die Entwicklung dennoch interessant sein. Bleiben Genehmigungen auf einem höheren Niveau und werden daraus tatsächlich Bauprojekte, könnte sich das Neubauangebot in den kommenden Jahren wieder erhöhen.

Von einem generellen Überangebot ist Oberbayern jedoch weit entfernt. Gerade in wirtschaftsstarken Regionen sowie im Münchner Umland treffen hohe Immobilienpreise, begrenzte Flächen und eine weiterhin starke Nachfrage auf vergleichsweise hohe Neubaukosten.

Die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 liefern deshalb vor allem ein Signal: Beim Wohnungsbau in Oberbayern kommt wieder Bewegung in die Planung. Ob daraus eine echte und dauerhafte Erholung des Neubaus entsteht, entscheidet sich erst bei den tatsächlichen Baustarts und Fertigstellungen.

Datenstand: September 2026. Grundlage: Bayerisches Landesamt für Statistik, insbesondere Baugenehmigungsstatistik Januar bis Juni 2026, Baufertigstellungen 2025 und Bauleistungspreisindex Mai 2026.